Wie das geht mit dem Willkommen und der Menschlichkeit

Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden (Foto: Ulf Preuß)

Die Flüchtlingsdiakonie der Evangelisch-reformierten Gemeinde besteht seit zehn Jahren. Am Dienstag, 13. Mai 2025 gab es aus diesem Anlass eine Feierstunde. Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden dankte im Namen der Evangelisch-reformierten Kirche für das Engagement und warb für eine humanitäre Haltung. Sie sagte in ihrem Grußwort:

"Wie gut, dass es Orte wie diese gibt! Wie gut, dass es Menschen wie Sie gibt! Zu Ihrem zehnjährigen Bestehen der Flüchtlingsdiakonie gratuliere ich Ihnen herzlich. Ich spreche Ihnen den Dank der Evangelisch-reformierten Kirche für diese wertvolle Arbeit aus.

Siehe, wie fein und lieblich es ist, wenn Geschwister einträchtig beieinander wohnen - heißt es in Psalm 133,1. Und im Buch Genesis ist formuliert: Es soll kein Zank sein zwischen dir und mir und zwischen meinen und deinen Hirten, wir sind doch Brüder. (Gen 13,8) - Schwestern und Brüder.

Zank und Streit. Große, schwere Diskussionen - die erleben und erleiden wir mitunter. In der großen Politik und in den kleinen Gesprächen in unserer Nähe. Nicht selten bei genau diesem, Ihrem Thema: Der Frage nach dem Umgang mit Menschen, die bei uns in Deutschland Heimat suchen.

Die wunderbare Willkommenskultur des Jahres 2015 hat sich inzwischen an vielen Orten in Gleichgültigkeit, Unsicherheit und Ablehnung bis hin zu Hass und Gewalt gewandelt. Die Furcht vor Migration wird politisch instrumentalisiert, die Kriminalität zunehmend migrantisiert – wie es die Migrationsforscherin Gina Wollinger eindrücklich belegt - und Zurückweisung von Asylsuchenden an den Binnengrenzen als Symbol für politische Stärke dargestellt – gegen den Einspruch der europäischen Nachbarn. Aus der Zuversicht in eine auch für Deutschland segensreiche Zuwanderung ist das offene oder verborgene Reden von einer „Notlage“ geworden, die der Fremdenfeindlichkeit in unserem Land neue Nahrung gibt. Und daneben fehlt es oft an Wegen zur Integration von Migrantinnen und Migranten, die es Menschen ermöglicht, hier in Deutschland tatsächlich anzukommen.

Wie gut, dass es Orte wie diesen gibt! Orte, die dem etwas entgegensetzen. Orte, an denen deutlich wird, was menschliche Stärke ist. Sie hier setzen der Zurückweisung ein großes, herzliches Willkommen entgegen. Und das im Zusammenspiel von Kommunalgemeinde und Kirchengemeinde. Viele, viele Menschen engagieren sich hier ehrenamtlich. Kommen in ihrer Freizeit, helfen und handeln, sagen jedem und jeder: Willkommen! Du bist herzlich willkommen!

Das ist großartig. Sie leben damit reformierte Tradition: Seit den Anfängen reformierten Lebens in Europa waren reformierte Gemeinden offen für „Fremdlinge“ - wie sie damals hießen. Menschen, die als Geflüchtete, Vertriebene, Kaufleute, Glückssuchende – als was auch immer kamen: sie wurden willkommen geheißen, an Leib und Seele versorgt, integriert. Sie brachten Weite, Freiheit, Wohlstand in die Gemeinden. Ja, auch Konflikte – das wollen wir gar nicht schön reden, aber damit auch eine Kultur der Auseinandersetzung und des Fortschritts.

Sie hier wahren diese Tradition, leben sie. Wie gut, dass es Orte wie diese gibt! Orte, an denen es Beratung und Hilfe gibt - zum Lernen der deutschen Sprache, zur Begegnung und zum Austausch. All das finden Sie hier. Und noch viel mehr. All das geben Sie, liebe Menschen aus Schüttorf. Zu Beginn waren es die Menschen, die aus dem Bürgerkrieg in Syrien flüchten mussten. Seit einigen Jahren sind es die Menschen, die im russischen Angriffskrieg in der Ukraine ihre Heimat verloren haben.
Segen liegt auf diesem Ort – und möge hier bleiben.

Ich bin dankbar für Ihr Engagement und habe den großen Traum, dass es eines Tages so etwas wie eine Flüchtlingsdiakonie gar nicht mehr geben muss. Weil selbstverständlich geworden ist, was Sie hier so selbstverständlich leben. Mehr noch: dass in unserer Welt Gerechtigkeit und Frieden wachsen, damit Menschen nicht gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen. Und bis dahin wünsche ich unserer Gesellschaft, dass es andere ansteckt, was hier geschieht. Dass andere abgucken bei Ihnen, wie das geht mit dem Willkommen und der Menschlichkeit! Dass Menschen, die zu uns kommen und unsere Gesellschaft bereichern wollen, ihren Platz finden und die Möglichkeit, ihre Gaben zum Wohl aller einzubringen.

Wie gut, dass es Orte wie diese gibt! Dankeschön!


14. Mai 2025

 

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