Sorgende Gemeinschaft als Leitbild für Kirchengemeinden
Die Kirche sollte sich stärker um soziale Arbeit vor Ort bemühen. Diese Auffassung vertrat der Vorsitzende der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit, Jens Peter Kruse, bei der Diakonischen Konferenz der Evangelisch-reformierten Kirche. Kruse sprach am Samstag, 21. Oktober 2017, vor 150 Teilnehmern der Konferenz im ostfriesischen Aurich. Diese soziale Arbeit müsse sich an dem Leitbild einer „sorgenden Gemeinschaft“, wie ihn der siebte Altenbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2015 formuliert habe, hob Kruse hervor.
Wichtige Aussage des Altenberichts sei, so Kruse, dass die deutsche Sozialpolitik vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft einen Paradigmenwechsel brauche. Allein durch sozialstaatliche Versorgungsleistungen seien die Herausforderungen des demografischen Wandels nicht zu bewältigen. Um älteren Menschen auch im hohen Alter ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben zu ermöglichen, fordere der Bericht eine „Verörtlichung des Sozialen“. Notwendig sei eine Förderung der Selbst-und Nachbarschaftshilfe, die auf der Ebene der Kommune organisiert werden müsse. Der Altenbericht habe hier den Begriff der „sorgenden Gemeinschaft“ oder „caring community“ eingeführt. Möglichst viele Akteure auf lokaler Ebene sollen hier zusammengeführt werden.
Für die Kirchengemeinden sieht Kruse in dieser Rückbesinnung und gleichzeitigen Zukunftsorientierung enorme Chancen. Rückbesinnung, weil der Begriff der sorgenden Gemeinschaft ein Identitätsmerkmal der christlichen Botschaft anspreche. „Die Fürsorge für andere, die Diakonie, ist ein Wesensmerkmal der Kirche“, so Kruse. „Sorge und Mitverantwortung sind ihr ein zentrales Anliegen.“ Zukunftsorientierung verspreche dieser Ansatz, so Kruse, weil er nur in Zusammenarbeit mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen gelinge. Die Kirchengemeinde müsse sich also für alle Sorgebedürftigen öffnen. Dies schaffe die Möglichkeit, betonte Kruse, eine „kirchliche Binnenorientierung“ zu beenden. “Eine um die Menschen vor Ort sorgende Gemeinde wird der Kirche langfristig helfen, Akzeptanz zu finden.“
Kruse sieht in den Kirchengemeinden enormes Potential, den Begriff der sorgenden Gemeinschaft lebendig werden zu lassen. Er meint sogar, dass die Kirchengemeinde vor Ort in ihrer Kommune „Promoter einer Caring Community“ werden könnte. Gelingen könne dies, wenn die Kirchengemeinde auch ihre Räume und ihr Land so anbiete, dass es dem gesamten Gemeinwesen nutze. Gerade im ländlichen Raum habe die Kirche oft die letzten öffentlichen Räume.
Kruse war Hauptreferent der Diakonischen Konferenz der Evangelisch-reformierten Kirche. Sie stand unter der Überschrift: „Sorgende Gemeinschaft als Leitbild für unsere Gemeinden?“ mit dem biblische Motto „...ich will euch tragen, bis ihr grau werdet...“ (Jesaja 46, 4)“. Einmal pro Jahr lädt das Diakonische Werk der Evangelisch-reformierten Kirche ehren- und hauptberufliche Mitarbeiter der Kirchengemeinden und diakonischen Einrichtungen zu einem Schwerpunktthema ein. Nach dem Vortrag vertieften die Teilnehmer das Konferenzthema in Arbeitsgruppen.
21. Oktober 2017
Ulf Preuß, Pressesprecher
Der Vorsitzende der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit, Jens-Peter Kruse aus Hannover, erklärt im Video, warum er den Begriff "sorgende Gemeinschaft" für die Zukunft der Kirchengemeinde für wegweisend hält: Zum Video bei YouTube
Bild oben: Hauptreferent Jens-Peter Kruse, Vorsitzender der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit, Hannover; unten: Musik von den Malle Diven; Konferenzort war die Evangelisch-reformierte Kirche in Aurich.

