Lichtblick Sozialkaufhaus

Das wäre beinahe schiefgegangen: Friedrich Röskens schritt gerade noch rechtzeitig ein, als Mitarbeiter einer niederländischen Firma das am Vortag aufgebaute Festzelt beim Sozialen Kaufhaus an der Süderstraße in Weener wieder abbauen wollten. "Sie dachten, unser Fest wäre schon am Abend gewesen", erklärte Volker Kraft, Vorsitzender des rheiderländer Diakonie-Ausschusses, den Gästen der offiziellen Eröffnungsfeier am 28. Mai in der Einrichtung des Diakonischen Werks. Dank Röskens ging alles gut - und Kraft konnte die Anekdote entspannt erzählen.

Das Soziale Kaufhaus war zwar schon Anfang November von der Norder- in die Süderstraße umgezogen. Doch der für Dezember geplante Tag der offenen Tür musste verschoben werden, weil andere Belange wichtiger waren. Es war wichtiger, die in Weener aufgenommenen Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen. Daran erinnerte Weeners Bürgermeister Ludwig Sonnenberg. Bis zu 15 Stunden täglich hätten sich die Mitarbeiter und Freiwilligen engagiert, so der Bürgermeister. "Das war der Wahnsinn!" Das Engagement sei für die drei Rheiderland-Kommunen von großer Bedeutung. Zu den Festgästen gehörten auch seine Amtskollegen Gerald Sap (Bunde) und Johann Tempel (Jemgum).

Der Präses des Synodalverbands Rheiderland, Manfred Gerke, unterstrich ebenfalls: "Hier wurde Willkommenskultur gelebt, als die Flüchtlinge kamen." Zum Dank für ihren Einsatz wurden Rosen an die Mitarbeiter verteilt - als "Zeichen der Hoffnung", wie Gerke sagte. Zuvor hatte er von Eigentümer Gerrit Battermann symbolisch den Schlüssel für das Gebäude erhalten. Battermann hob hervor, dass "die Diakonie viel in Eigenleistung umgesetzt hat" und lobte das harmonische Miteinander.

Das Soziale Kaufhaus sei "zum Lichtblick in der Region geworden", sagte Thomas Fender, Pastor für Diakonie und Ökumene aus dem Landeskirchenamt in Leer. Denn für Menschen, die von Arbeitslosigkeit oder Altersarmut betroffen seien, sei es oft schwierig, Möbel und Lebensmittel zu kaufen. Aber: "Es ist traurig, dass es in einer Gesellschaft wie unserer Soziale Kaufhäuser geben muss", betonte Fender.

Das sahen andere Redner ähnlich. "Wir müssen aufpassen", unterstrich der Europaabgeordnete Matthias Groote (SPD). Im Rheiderland gebe es 916 Bedürftige mit einer "Diakoniekarte". Groote: "Es werden mehr. Die Gesellschaft ist gefragt, dass Gruppen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir müssen die Weichen stellen und Armut bekämpfen." Die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU) erinnerte an die Anfänge in der Kleiderkammer im Altenzentrum und bezeichnete das Soziale Kaufhaus als "Oase der Hoffnung", in der "Umverteilung im besten Sinne stattfindet". Volker Kraft sei dabei ein "Leuchtfeuer der Mildtätigkeit".

Vor der Eröffnungsfeier hatte es einen gemeinsamen Gottesdienst in der reformierten Georgskirche gegeben. Die Kollekte kam dem "Brotkorb Rheiderland" der Diakonie zugute - ebenso wie der Erlös des Tages der offenen Tür.

30. Mai 2016
Holger Szyska (Rheiderlandzeitung)



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