Heimbucher warnt vor menschlichem Wahrheitsanspruch

Kirchenpräsident Martin Heimbucher hat vor einem menschlichen Anspruch auf die Wahrheit gewarnt. „Es ist der Anfang vom Ende, wenn ein Mensch oder wenn eine menschliche Institution behauptet, die Wahrheit zu besitzen“, sagte er am Sonntag, 27. August, bei einem großen ökumenischen Gottesdienst zum Reformationsjubiläum in der Grafschaft Bentheim. An dem Gottesdienst im Kloster Frenswegen beteiligten sich auch der katholische Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück und der Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister.

Beispiele für diesen Wahrheitsanspruch seien im Jahrhundert der Reformation ebenso wie im 20. Jahrhundert in nationalistischen oder kommunistischen Ideologien zu finden, betonte Heimbucher. „Und so geschieht es heute, wenn Salafisten im Namen ihrer 'Wahrheit' den Sprengstoffgürtel umlegen.“ Der Anspruch eines Menschen auf die Wahrheit sei ein „gefährlicher Wahnsinn“.

In postfaktischen Verhältnissen, in denen viele schamlos mit Fake-News und übler Nachrede Stimmung und Politik machten, dürfe die Suche nach der Wahrheit aber nicht aufgegeben werden, mahnte Heimbucher. „Aber der Streit um die Wahrheit muss einhergehen mit der Fähigkeit zum Frieden.“ Ohne die Bereitschaft zum Frieden werde die Suche nach der Wahrheit zur einsamen Rechthaberei.

Der katholische Bischof Bode rief die Kirchen dazu auf, die oft mühsam errungenen Übereinkünfte und die gemeinsamen Erfahrungen aus dem Jubiläumsjahr zu nutzen. Dazu zählten das gemeinsame Ringen in den sozialen und ethischen Fragen dieser Zeit und der gemeinsame Dialog mit den Religionen und der säkularen Welt. Diese könnten zu „Trittbrettern, Pflastersteinen und Leitersprossen“ für einen fortschreitenden Weg werden, um nicht immer wieder von vorn zu beginnen. „Der Grundwasserspiegel des Miteinanders ist doch, wenn mich nicht alles täuscht, erheblich gestiegen, und in dem so bereiteten Boden können neue Pflanzen gedeihen.“

Der hannoversche Landesbischof Meister erinnerte in seinem Predigtwort an die Frage nach einem erfüllten, aber endlichen Leben. Bis in die frühe Neuzeit habe die Menschen die Frage nach dem ewigen Leben bewegt. Erst der Reformator Martin Luther habe der damaligen Sorge und Frage des Lebens eine Umkehrung entgegengesetzt: Aus dem alten christlichen Glaubenslied „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“ habe er getextet: „Mitten im Tod sind wir vom Leben umfangen.“

Der ökumenischen Gottesdienst im Kloster Frenswegen stand unter der Überschrift des Jesus-Wortes „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Alle in der Grafschaft Bentheim ansässigen christlichen Konfessionen waren daran. Für das musikalische Programm sorgen die Band „Hope Solo“ aus der reformierten Gemeinde Brandlecht und das Ensemble „Twen“. (epd)

28. August 2017


Ansprache von Kirchenpräsident Martin Heimbucher als pdf


Bild oben: Der Gottesdienst fand im Innnenhof des Klosters statt (Foto: Hartmut Smoor)

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