"Gliek und anners" - Luther und Karlstadt in Oldersum

Mit viel Beifall – zum Teil im Stehen – würdigten die rund 200 Besucher in der Evangelisch-reformierten Kirche Oldersum am die Uraufführung des Theaterstückes „Gliek und anners – Karlstadt und Luther“ am Sonntag, 25. September in der Kirche in Oldersum. Die Art und Weise, Spielszenen mit Orgelmusik zu verbinden, kam beim Publikum an. Musiker und Schauspieler entführten für fast eineinhalb Stunden in die Zeit der Reformation. „Wunderbar“ drückte eine Besucherin die gelungene Gesamtleistung aller Mitwirkenden aus.

Im Namen der gastgebenden reformierten und der katholischen Kirchengemeinde Moormerland-Oldersum begrüßte Pastor Michael Weber die Besucher. Sven Kramer, Pro-jektleiter und Beauftragter der Reformierten Kirche für das Reformationsjubiläum, aus dessen Anlass auch das Stück aufge-führt wurde, erläuterte den Inhalt: Martin Luther und sein Doktorvater Andreas Rudolf Bodenstein von Karlstadt, genannt Karlstadt, entzweiten sich in ihren Überzeugungen und Lehren. Es gebe gleiche Interessen, die in der Umsetzung aber unterschiedlich seien:  gliek und anners – gleich und anders. Eine Vielzahl von Menschen sehe sich mit einer Vielzahl von Konflik-ten konfrontiert, erklärte Kramer.

Das Theaterstück stammt aus der Feder von Erhard Brüchert aus Bad Zwischenahn. „Gut so!“, meint er über die szenische Umsetzung und Inszenierung von Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft ostfriesischer Volkstheater unter der Regie von Elke Münch.  Sechs ostfriesische Bühnen waren an der Aufführung beteiligt.
In vier Bilder, die wiederum mehrere Szenen enthielten, war das Stück gegliedert. Im Gegensatz zu den Schauspielern in schönen alten Kostümen trat Hanna Janshen als Moderatorin in moderner Kleidung auf, sie übermittelte Hintergründe zum Geschehen. Szenen, die in Wittenberg spielten, wurden auf Hochdeutsch gesprochen, die in Oldersum auf Plattdeutsch. Junker Ulrich von Dornum (Andree Uphoff) hatte Karlstadt (Gerhard Ideus), als dieser Wittenberg verlassen musste, auf der Burg Oldersum aufgenommen. Aber nach einem knappen Jahr – damit endet das Stück – muss er auch von dort fliehen. Weitere Mitwirkende waren: Menno Appeldorn (Martin Luther), Harald Albrechts (Enno Cirksena), Norbert Halm (Prediger Melchior Hofmann), Martina Appeldorn (Katharina von Bora), Vera Soeken (Frau von Karlstadt), Heinz Hoffmann (Bauer Fokko) sowie Maike Rosen-boom und Heike Müller-Feldmann als Oldersumer Netzflickerin-nen.

Nicht nur durch lebhafte Dialoge, auch musikalisch wurde das Publikum in die Zeit der Reformation hineingenommen: Landeskirchenmusikdirektor Winfried Dahlke begeisterte mit Orgelmusik, die die Inhalte der Theaterszenen aufnahm. Er ließ die große Ahrend-Orgel der Oldersumer Kirche, aber auch einen Nachbau der Baldachin-Orgel aus dem Jahr 1559 erklingen.

„Gliek un doch anners“ war das letzte Bild des Stückes überschrieben. Das könne auch in Zukunft so sein – aber in gutem ökumenischen Miteinander. Das war die Botschaft des Projektes. Sven Kramer dankte zum Schluss der Vorbereitungsgruppe und allen, die zum Gelingen beitrugen.

27. September 2016
Käthe Dübbel


Weitere Aufführungen des Stücks sind am 23. Oktober um 16 Uhr in der Georgskirche in Weener und am 30. Oktober um 16 Uhr in der Großen Kirche in Leer.


Bild oben: Die Reformatoren (von rechts) Karlstadt (Gerhard Ideus) und Luther (Menno Appeldorn) prallen in „Gliek und anners“ mit ihren Meinungen aufeinander. Das lässt auch Karlstadts Frau Anna von Mochau (Vera Soeken) nicht unberührt (Foto: Käthe Dübbel).


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