Die Kirche ist immer auch eine Menschenrechtsbewegung

Kirchenpräsident Martin Heimbucher hat die gesellschaftliche Verantwortung der Kirchen hervorgehoben. Im Bericht des Moderamens bezeichnete Heimbucher diese als eine Errungenschaft der Reformation. „Martin Luther und mit ihm die gesamte Reformation hat deutlich gemacht, dass Buße und Umkehr das ganze Leben der Kirche und aller Glaubenden durchdringen.“ Die Frage nach dem glaubensgemäßen Handeln in der Welt stelle sich immer wieder.

Konkret forderte Heimbucher dazu auf, die europäische Friedensordnung zu verteidigen. „Wir müssen heute überzeugte Europäer sein, die gewonnene Friedensordnung verteidigen und weiter entwickeln - ohne aber zu europäischen Egoisten zu werden", betonte er. Mit Blick auf den Krieg in Syrien sagte Heimbucher, quäle sich die Kirche mit der Frage, wie die Staatengemeinschaft wirksam Menschen schützen könne, die dem Krieg, dem Terror und dem Völkermorden im eigenen Land schutzlos ausgeliefert seien. Das jüngste militärische Eingreifen der USA werde kaum dazu führen, die Lage für die Menschen dort zu verbessern. Die Kirche werde weiter für den Frieden beten und Initiativen der Versöhnung fördern, "und das eben nicht nur, wenn die Bomben fallen und die Aufmerksamkeit der Welt für einen Moment auf die Region und ihre Konflikte gerichtet ist".

Heimbucher hob die Verantwortung von Christen hervor, wenn Menschen elementare Menschenrechte versagt blieben. Dies gehöre zu den unabdingbaren Prägungen des Glaubens und der europäischen Kultur. "Wenn in unserem Land von manchen eine Abkehr von der selbstkritischen Geschichtsbetrachtung gefordert und im gleichen Atemzug unsere Unzuständigkeit für die Menschen behauptet wird, die vor unserer Haustür sterben, dann ist klar, auf welcher Seite wir als Kirche zu stehen kommen." Sehr erfreulich sei, dass die katholische und die evangelische Kirche sich in dieser Frage einig seien.

Heimbucher erinnerte an den Europäischen Stationenweg zum Reformationsjubiläum in Emden. Das Thema „Ich bin fremd gewesen. 500 Jahre Reformation – 500 Jahre Migration“ habe eine aktuelle Herausforderung benannt. „Bei der Besinnung auf das Schicksal der Flüchtlinge damals und heute wird deutlich: Es ist ein Armutszeugnis für Europa, dass es nicht gelingt, legale Einreisewege nach Europa zu schaffen und die humanitäre Katastrophe auf dem Mittelmeer zu verhindern“, sagte Heimbucher.

28. April 2017
Ulf Preuß, Pressesprecher


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