Diakonie richtet Blick auf alternde Gesellschaft
Die Diakonie der Evangelisch-reformierten Kirche hat vor der steigenden Gefahr einer Altersarmut gewarnt. Diakoniepastor Dietmar Arends sagte auf der Jahreskonferenz des Diakonischen Werkes am Samstag, 8. Oktober, in Weener, dass die Menschen mit einem niedrigen Einkommen, die heute in unserem Land unter die Armutsrisikogrenze fallen, in ihrer Rentenphase eine extrem niedrige Alterssicherung erhalten würden. Oft fehle ihnen eine zusätzliche private Altersvorsorge. „Dies zusammengenommen wird zu einer verschärften Altersarmut führen“, so Arends.
Das Diakonische Werk der Evangelisch-reformierten Kirche stellte seine Diakonische Konferenz in diesem Jahr unter das biblische Motto „„Ich will für euch und eure Kinder sorgen (1. Mose 50,21) - Wer versorgt in Zukunft wen?“ Rund 150 Haupt- und Ehrenamtliche aus Diakonie und Kirchengemeinden diskutierten die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft.
In seinem Bericht vor der Konferenz wies Arends auch auf die
Schwierigkeiten hin, zukünftig einen wachsenden Teil der Bevölkerung, der
pflegebedürftig ist, würdig zu versorgen. Dies sei nicht nur ein finanzielles
Problem. Schon jetzt gebe es Regionen in Deutschland, wo dies ohne eine große
Zahl von Pflegekräften aus dem Ausland, nicht mehr realisierbar sei. Dramatische
Auswirkungen angesichts des demografischen Wandels sieht Arends für das
Rentensystem. Immer weniger Menschen müssten für die finanzielle Absicherung
von immer mehr aufkommen, wenn fast ein Drittel unserer Bevölkerung zur
Generation der Rentner und Rentnerinnen gehören wird. Hintergrund sei die
immens gestiegene Lebenserwartung. Ein Kind, das 1960 geboren wurde, hatte eine
durchschnittliche Lebenserwartung von 70 Jahren. Ein Kind, das heute geboren
wird, wird durchschnittlich 80 Jahre alt werden.
Arends stellte aber auch die positiven Seiten der gewachsenen Lebenserwartung heraus. Den Menschen bleibe im Durchschnitt eine längere Phase des Lebens, die sie aktivund gesund verbringen könnten. Dies zeige sich auch in vielen Kirchengemeinden. Dort werde von der älteren Generation immens viel Arbeit geleistet: in der Gemeindeleitung, in Gruppen und Kreisen und eben auch in der Diakonie. „Hier geschieht unglaublich viel wichtiges freiwilliges Engagement gerade durch ältere Menschen selbst.“
Dietmar Arends kündigte an, dass sich das Diakonische Werk
in der nächsten Zeit den Herausforderungen der alternden Gesellschaft stellen
wolle und müsse. Ein Podiumsgespräch während der Konferenz zwischen Vertretern unterschiedlicher
Generationen zeigte auf, wie sich die veränderten Lebensverhältnisse auf das Verhältnis
zwischen Jung und Alt auswirkten. Die Selbstverständlichkeit mit der Großeltern
ihre Enkel beaufsichtigen und damit ihre Kinder bei der Erziehung unterstützen,
sei angesichts weit entfernter Wohnorte nicht mehr herstellbar. Gleichzeitig
können sich Kinder nicht um ihre pflegebedürftigen Eltern kümmern, wenn diese
mehrere hundert Kilometer entfernt leben. Unter diesen Voraussetzungen stelle
sich die Frage der Verantwortung unter den Generationen heute jenseits der
Familienstrukturen, so der Moderator des Gesprächs, Präses Heinz-Hermann
Nordholt vom Synodalverband Grafschaft Bentheim.
8. Oktober 2011
Ulf Preuß, Pressesprecher

Großen Applaus erhielt Christoph Fechner, Pastor aus Ihrenerfeld (Ostfriesland), für seinen satirischen Blick auf die alternde Gesellschaft.

