„Alle zusammen am selben Ort“

Festgottesdienst im Klosterinnenhof (Fotos: privat)

Ein vollbesetzter Innenhof. Vor einem Seitenflügel die große Bühne mit Rednerpult und geschmücktem Altar. Rechts von der Bühne ein Bläserchor aus Nordhorner Gemeinden. Hinter den Bläsern eine große Leinwand mit einer Fotoshow aus 50 Jahren Stiftungsleben. Links von der Bühne Plätze für die große Mädchenkantorei am Bremer Dom. Dazu ein ideales sommerliches Wetter mit angenehmem Mix aus Wolken und kurzen intensiven Sonnenphasen. Der festliche Rahmen stimmt.

Pfingstmontag 2024: Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Nordhorn lädt zum gemeinsamen, ökumenischen Pfingstgottesdienst ein. Diesmal findet er aus gutem Grund im Kloster Frenswegen statt. Fast auf den Tag genau 50 Jahre nach den Unterschriften unter die Gründungsurkunde der Stiftung Kloster Frenswegen sind wieder „alle zusammen am selben Ort“.

Entsprechend waren alle sechs Gründungskonfessionen beteiligt an der Liturgie des Festgottesdienstes. Dazu kam ein Vertreter der Neuapostolischen Kirche, die inzwischen auch zur ACK-Nordhorn gehört. Passenderweise las er das Gebet für die Einheit der ChristInnen. Die Vorstandsvorsitzende der Stiftung, die evangelisch-reformierte Präses Heidrun Oltmanns, eröffnete den Gottesdienst mit Votum und Begrüßung und schloss ihn mit dem Segen. Die Festpredigt bestand aus drei Teilen, die sich - ausgehend von der Pfingstgeschichte aus der Apostelgeschichte - an den Leitbegriffen der Stiftung orientierten.

Die evangelisch-reformierte Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden widmete sich dem Stichwort „Bildung“. Sie betonte die Ebenbildlichkeit Gottes, die den Menschen in den drei abrahamitischen Religionen (Juden, Christen und Muslime) von der Schöpfung her auszeichnet. Geist und Intellekt seien gute Gaben Gottes. Die Klöster seien darum Orte der Bildung und der Heilkunst gewesen, aber auch der Herzensbildung und der kreativen Künste. Sie waren Geburtsstätten der Wissenschaften und Bibliotheken. Klöster boten Freiräume für das Denken. Da wird gefragt und in Frage gestellt. Das beinhalte auch, so Bei der Wieden, Gott in Frage zu stellen. Darum sei das Kloster Frenswegen, ganz im Sinne Emmanuel Kants, dessen 300. Geburtsjahr sich jährt, auch ein Ort für den Dialog mit Kritikern der Kirche und des christlichen Glaubens.

Weihbischof Johannes Wübbe von der römisch-katholischen Kirche übernahm den zweiten Leitbegriff der Stiftung: „Besinnung“. Er stellte heraus, dass für Menschen noch eine andere Kraft als das Wissen essentiell ist. Darum seien Klöster immer auch Orte der Ruhe, der Einkehr, der Meditation und des Gebets gewesen. In Frenswegen stehe dafür das Labyrinth. Es ist ein Abbild für das Leben mit all seinen Umwegen und Sackgassen. Die Mitte des Labyrinths mit dem Brunnen und dem Spiegel stelle jedem die Frage: Was stärkt und erfrischt mich und wo will ich eigentlich hin.

Die evangelisch-lutherische Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer stellte den deutlichsten Bezug zur Pfingstgeschichte her. Diese berichte von einem Sprach- und Begegnungswunder. Damit war die Bischöfin bei ihrem Stichwort „Begegnung“ als dem dritten Leitwort der Stiftung. Ein persönliches Beispiel aus ihrer Heimat im Osnabrücker Raum mache deutlich, wie hart die strickte Trennung der Konfessionen noch zur Gründungszeit der Stiftung vielerorts gewesen sei. Beim Pfingstwunder dürften alle in ihrer Muttersprache sprechen und dabei erleben, wie der Anderssprachige doch das Gleiche höre. Das Kloster Frenswegen biete Chancen, fremde Glaubensdialekte kennen zu lernen und den eigenen Horizont zu weiten. Sie endete mit der Vision: Alle zusammen an einem Tisch und Gott ist Gastgeber und sitzt mitten zwischen uns.

Präses Heidrun Oltmanns sprach in ihrem Grußwort an, dass angesichts des Bedeutungsverlustes der Kirchen öffentliche Gelder für kirchliche Gebäude und Einrichtungen wie die Stiftung Kloster Frenswegen durchaus in Frage stünden. Sie betonte aber - ebenso wie Landrat Fietzek - dass das Kloster Frenswegen für die Grafschaft Leuchtkraft und Bedeutung habe, die weit über kirchliche Grenzen hinaus in die Gesellschaft hineinreiche. Fürst Carl Ferdinand drückte seine Freude darüber aus, dass die Vision seines Vaters, des kürzlich verstorbenen  Fürst Christian, bis heute lebendig geblieben sei. Landrat Uwe Fietzek zitierte Zeilen von Erika Lichte, die Anfang des 20. Jahrhunderts in der Küsterwohnung gewohnt hatte. Sie beschrieb das Kloster als „graues Haus mit Grabesstille. In den grauen Mauern starb das Lachen“. Fietzek war sicher, dass ihr Urteil heute sehr viel positiver ausfallen würde. Für ihn gehört das Kloster zur Grafschaft wie der Altar zur Kirche.

Pastor Ulrich Hirndorf, zurzeit einzige Moderator im Kloster, dankte allen am Gottesdienst Beteiligten. Und er bat das komplette Klosterteam, das im Hintergrund immer für einen reibungslosen Ablauf sorgt, nach vorn.  Die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher bedankten sich bei dem Team mit Standing-Ovations.

Eine gelungene und  würdige Veranstaltung zum 50-jährigen Bestehen. Man hätte sich allerdings gewünscht, dass mehr und selbstkritischer das zähe Ringen und nur mühsame Vorankommen bei der inhaltlichen Neuorientierung und der Gestaltung und der Besetzung der Moderatorenstellen zur Sprache gekommen wäre.

Von Friedrich Behmenburg
21. Mai 2024


Hintergrund:

Die drei Urstifter waren seinerzeit das fürstliche Haus zu Bentheim (Fürst Christian), der Synodalverband der Evangelisch-reformierten Kirche (Superintendent Ako Haarbeck) und der Landkreis Grafschaft Bentheim (Oberkreisdirektor Günter Terwey). Ein ebenso wichtiger Gründungsvater kam aus der katholischen Kirche (Burkhard Sauermost). Von Anfang an dabei waren natürlich auch die Evangelisch- lutherische Kirche, die Evangelisch-altreformierte Kirche, die evangelisch-freikirchliche Gemeinde der Baptisten und die Herrnhuter Brüdergemeine.

 

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