200 Jahre reformierte Kirche in der Königstraße

Blick von der Empore der Kirche (Fotos: Jonas Völkmann)

Die Evangelisch-reformierte Gemeinde Lübeck feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: Seit 200 Jahren befindet sich ihre Kirche in der Königstraße. Das Jubiläum erinnert zugleich an einen bedeutenden Schritt auf dem Weg zur religiösen Gleichberechtigung in der Hansestadt. In der Mitte der Jubiläumswochen steht ein Festgottesdienst am 12. Juli. Die Predigt hält hier Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden.

Entstanden ist die reformierte Gemeinde bereits 1666 durch niederländische und französische Kaufleute. In der überwiegend lutherisch geprägten Stadt blieb sie jedoch über viele Generationen an den Rand gedrängt. Gottesdienste durften nur außerhalb der Innenstadt stattfinden, kirchliche Handlungen wie Taufen, Trauungen oder Beerdigungen waren stark eingeschränkt. Selbst das Versammlungshaus durfte äußerlich nicht als Kirche erkennbar sein.

Erst im frühen 19. Jahrhundert änderten sich die Rahmenbedingungen grundlegend. Die wirtschaftlichen Folgen der französischen Besatzung und die Forderungen nach religiöser Gleichberechtigung nach dem Wiener Kongress von 1815 schufen neue Voraussetzungen. Zugleich verlor die lutherische Kirche an Bindungskraft.

Eine zentrale Rolle spielte der reformierte Pastor Johannes Geibel. 1798 kommt er nach Lübeck. Er gewann er weit über die eigene Gemeinde hinaus Anhänger. Unterstützt wurde er vom Stadtsyndikus Carl Georg Curtius, der selber Lutheraner war. Er erkannte die Bedeutung der reformierten Kaufleute für die wirtschaftliche Entwicklung Lübecks und setzte sich für die Anerkennung der Gemeinde ein.

Am 9. Juli 1826 wurde schließlich die neue Kirche in der Königstraße eingeweiht. Mit dem Umzug aus der Vorstadt in die Innenstadt habe die reformierte Gemeinde nach 160 Jahren ihren festen Platz im gesellschaftlichen und religiösen Leben Lübecks gefunden, meint Karsten Büttner aus dem Lübecker Kirchenrat. Er hat zum Jubiläum eine Ausstellung in der Kirche konzipiert.

9. Juli 2026
Ulf Preuß, Pressesprecher


Hinweis: Die Ausstellung „Lübeck 1826: Wie die reformierte Kirche in die Königstraße kam“ ist noch bis zum 16. August in der Königstraße 18 zu sehen. Weitere Informationen zu Programm und Öffnungszeiten gibt es auf der Webseite der Gemeinde.

Fassade der Kirche in der Königstraße

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